Fachgruppe Geschichte der Veterinärmedizin

5 Jahrzehnte Forschung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit

Chronik       Die "Fachgruppe Geschichte der Veterinärmedizin" der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) ist die nationale Vereinigung für Tiermedizingeschichte in Deutschland. Sie besteht seit 1953 und entwickelte sich Ende der 1960er Jahre zur Keimzelle der "Welt-Gesellschaft für Geschichte der Veterinärmedizin" (WAHVM = World Association for the History of Veterinary Medicine).

In den Anfangsjahren bestand nur eine kleine "Fachgemeinschaft" unter Leitung von Wilhelm Pschorr in München. Nachdem 1959 Wilhelm Rieck den Vorsitz übernommen hatte, konnte 1964 in Hannover ein erstes Symposion ausgerichtet werden. Bei den weiteren Tagungen in Hannover nahm die Zahl ausländischer Teilnehmer stetig zu. Aus diesem Grund wurde 1969 auf dem 6. Symposion der zwischenzeitlich in "Fachgruppe Geschichte der Veterinärmedizin" umbenannten Vereinigung die "Welt-Gesellschaft für Geschichte der Veterinärmedizin" gegründet.

Erster Präsident der Welt-Gesellschaft wurde Wilhelm Rieck (1969-1977), sein Nachfolger Ernst-Heinrich Lochmann (1977-1993), der bereits unter der Ägide von Rieck alle Symposien organisiert hatte und Mitte der 80er Jahre dann auch die Leitung der DVG-Fachgruppe übernahm (1985-1993).

Im "Getriebe" der Welt-Gesellschaft ging die Bedeutung der DVG-Fachgruppe Geschichte als Träger der Fortbildung und Nachwuchsförderung auf nationaler Ebene leider stetig zurück. Aufgrund der fortschreitenden Verwissenschaftlichung der Medizingeschichte, aber auch aus anderen Gründen konnte diese Konstellation Ende der 1980er Jahre nicht mehr befriedigen. Im Frühjahr 1990 schlossen sich deshalb einige Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland und den Niederlanden zum sog. Zaberfelder Kreis zusammen und erarbeiteten ein Reformkonzept, um die fachhistorische Forschung effizienter als bisher fördern zu können.

Ein erster Schritt war die Neukonstituierung der DVG-Fachgruppe Geschichte im Jahr 1992. Zu ihrem Vorsitzenden wurde Johann Schäffer  (Hannover) gewählt, der 1991 von Ernst-Heinrich Lochmann  bereits die Leitung des Fachgebiets Geschichte der Veterinärmedizin und der Haustiere, des Veterinärmedizinhistorischen Museums und des Archivs der Tierärztlichen Hochschule Hannover übernommen hatte.

Parallel zur Neuorientierung der DVG-Fachgruppe wurden von internationaler Seite aber auch dezidierte Reformvorschläge zur Umstrukturierung der Welt-Gesellschaft in einen Dachverband erarbeitet. Zum Präsidenten der WAHVM wurde 1993 August Mathijsen (Utrecht) gewählt, dem im Jahr 2000 Peter Koolmees (Utrecht) folgte. Im Herbst 2004 übernahm Gerhard Forstenpointner (Wien) den Vorsitz. Von 2008 bis 2014 wurde die Gesellschaft in Form eines Co-Präsidiums von Peter Koolmees (Utrecht) und Susan Jones (Minnesota) repräsentiert. Seit September 2014 leiten Abigail Woods (London) als Präsidentin und Joaquin Sanchez de Lollano Prieto (Madrid) als Vizepräsident die Geschicke der Gesellschaft.

In beiden Gesellschaften konnten neue programmatische Akzente gesetzt und auch schrittweise verwirklicht werden. Mittlerweile hat die DVG-Fachgruppe Geschichte ca. 125 Mitglieder, und der WAHVM gehören 14 nationale Gesellschaften an, wobei die DVG-Fachgruppe quantitativ an vierter Stelle steht und damit auch der viertgrößte Beitragszahler des Dachverbands ist.

Ziele        Die DVG-Fachgruppe Geschichte der Veterinärmedizin hat sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit zwei Hauptziele gesteckt: 

1. das gesamte Spektrum der Arbeitsgebiete "Geschichte, Theorie und Ethik der Veterinärmedizin" einschließlich "Geschichte der Haustiere" auf nationaler Ebene zu fördern und die Fortbildung sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Hinsicht zu verbessern,

2. die Veterinärmedizingeschichte durch intensive Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftshistorischen Disziplinen zu professionalisieren und dem Fach eine der Medizinhistorik vergleichbare wissenschaftliche und institutionelle Basis zu verschaffen. – Die institutionelle Basis wird leider auf ewig ein Desiderat bleiben.

1993 wurde der Arbeitskreis "Veterinärmedizin im Sozialismus" in die Fachgruppe integriert, der bis heute eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten zu einem "Weißbuch" Tiermedizin in der DDR publiziert hat. Die bisher jährlichen und ab 2005 im Zweijahresturnus abgehaltenen Tagungen der DVG-Fachgruppe Geschichte dienen vor allem auch als wissenschaftliches Forum für Doktorand(inn)en, ihre Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. In Verbindung damit sind die DVG-Tagungsberichte ein zuverlässiges und unverzichtbares Publikationsorgan für die deutsche Veterinärhistoriographie geworden.