Tierärztliche Hochschule Hannover

Fachgebiet Geschichte der Veterinärmedizin und der Haustiere
Veterinärmedizinhistorisches Museum - Hochschularchiv

Chronik Das „Fachgebiet Geschichte der Veterinärmedizin“ wurde 1963 gegründet und unter der Leitung von Ernst-Heinrich Lochmann 1969 selbständig. Mit der Berufung von Johann Schäffer im Jahr 1991 wurde die Bezeichnung in „Fachgebiet Geschichte der Veterinärmedizin und der Haustiere“ geändert und das Lehr- und Forschungsspektrum erheblich erweitert. Dieser Einrichtung zugeordnet ist das älteste, der Öffentlichkeit zugängliche „Veterinärmedizinhistorische Museum“ Deutschlands (gegr. 1973) sowie das „Hochschularchiv“, das seiner Funktion nach ein sog. Behördenarchiv ist. Damit ist seit mehr als vier Jahrzehnten eine für die Forschung, Lehre und Dienstleistung untrennbare und einzigartige historische Trias etabliert, die seit 1995 im ehemaligen, denkmalgeschützten Apothekengebäude auch räumlich unter einem Dach vereinigt ist. Mit dem „Fachgebiet Geschichte, Museum und Archiv“ hat die Tierärztliche Hochschule Hannover ein Alleinstellungsmerkmal unter allen veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten dieser Welt.

Lehre Die ersten Vorlesungen über Geschichte der Tierheilkunde wurden in Hannover bereits 1881 gehalten. Heute wird den Studierenden ein vielfältiges Unterrichtsangebot gemacht: Als obligatorische Einführung dient die Vorlesung „Geschichte der Veterinärmedizin“. Darin werden auch grundlegende Aspekte der Haustiergeschichte berücksichtigt. Ein scheinpflichtiger „Kursus der (tier)medizinischen Terminologie“ holt fehlende Latein- und Griechischkenntnisse nach und wird durch „Terminologische Übungen“ ergänzt. Die Veranstaltungsreihe „Berufskunde“ informiert über gegenwärtig und künftig relevante Aufgabenfelder und Tätigkeitsgebiete in der Tiermedizin. Die anteilig übernommene Vorlesung „Tierärztliches Berufsrecht“ vermittelt die rechtlichen Grundlagen der Berufsausübung. Ein „Veterinärmedizinhistorisches Seminar“ (Pro- und Hauptseminar) für höhere Semester und angehende Doktorand(inn)en führt in die Methodik des geisteswissenschaftlich-literarischen Arbeitens ein. Ein „Doktorandenkolloquium“ sowie themenspezifische „Führungen durch das Veterinärmedizinhistorische Museum“ runden das Lehrangebot ab.

Forschung Der Breite der Fächerkombination entspricht auch die Vielfalt der Forschungsthemen, die überwiegend grundlagenorientiert sind und vor allem auf beruflich und gesellschaftlich relevante Aspekte im Gesamtspektrum der Mensch-Tier-Beziehung fokussiert sind, dem Kernziel der seit 1992 „Neuen Deutschen Veterinärmedizingeschichte“. Chronologisch reicht dieses Spektrum von den Anfängen der Haustierhaltung im Alten Orient bis in die tierärztliche High-Tech-Welt der Gegenwart, von den ersten bildlichen und schriftlichen Überlieferungen in Mesopotamien und Ägypten bis zu zeitgeschichtlichen Forschungsprojekten, die sich mit der Rolle der Veterinärmedizin im Nationalsozialismus, in der DDR und Gegenwart befassen. Die Bestände des Hochschularchivs und der militärgeschichtlichen Abteilung des Museums haben vor allem für die Zeitgeschichtsforschung eine große Bedeutung erlangt. Sie bieten darüber hinaus einen wichtigen Quellenfundus für Promotionsschriften zur Hochschulgeschichte. Seit 1991 wurden insgesamt über 100 Dissertationen erfolgreich abgeschlossen, eine im Umfeld der Wissenschaftsgeschichte beachtliche Zahl.

Dienstleistungen Neben den üblichen Dienstleistungen, die eine universitäre Einrichtung dieser Fächerkombination und Organisationsstruktur zu erfüllen hat, wird eine stetig zunehmende Zahl an Dienstleistungen im Bereich des „Veterinärmedizinhistorischen Museums“ und des „Hochschularchivs“ erbracht. Dazu zählen u. a. alle mit der Bestimmung, Dokumentation und Magazinierung bzw. Archivierung verbundenen Tätigkeiten sowie die Beantwortung von Anfragen seitens Forschungseinrichtungen, Behörden und Privatpersonen, wie z. B. die fachwissenschaftliche Begutachtung historischer tierärztlicher Instrumente, Dokumente und Bücher oder Recherchen zur Genealogie oder Biographie von Tierärzten und die Ausarbeitung entsprechender Expertisen. Darüber hinaus werden laufend allgemeine oder themenspezifische Führungen durch das Museum und speziell auch die 1995 integrierte Abteilung „Heeresveterinärmuseum“ veranstaltet, ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit.

Tagungen Die vom „Fachgebiet Geschichte“ der TiHo Hannover und in Personalunion von der „Fachgruppe Geschichte“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft seit 1992 regelmäßig durchgeführten Tagungen dienen der Vermittlung neuer historischer Erkenntnisse. Die Ergebnisse werden in Form von Tagungsberichten publiziert. Auf diesem Weg konnte die tierärztliche Öffentlichkeit zusehends für zeitgeschichtlich und gesellschaftspolitisch wichtige Themen sensibilisiert werden (Auswahl): Interactions between Veterinary and Medical Sciences (1998); Tiermedizin in der Nachkriegszeit (1999); Tiermedizin im Spiegel der Kunst, Literatur und Musik (2000); Geschichte und Zukunft der Kleintiermedizin (2001); Veterinary Medicine and Agriculture (2002); Student(in) der Tiermedizin - Einst und jetzt (2003); Firmengeschichte(n) - Tiermedizin und Industrie (2004); „Tierheilkundige“ in Geschichte und Gegenwart (2009); Entwicklung des öffentlichen Veterinärwesens (2011); Mensch - Tier - Medizin: Beziehungen und Probleme in Geschichte und Gegenwart (2013); Stellung und Bedeutung der Tiermedizin in der Gesellschaft (2015); Veterinärmedizin und Nationalsozialismus in Europa (2017).

Zukunft Der in den letzten Jahren enorm angewachsene Bestand des Veterinärmedizinhistorischen Museums (ca. 6.000 Objekte) und des Hochschularchivs (ca. 650 Regalmeter), aber auch der historischen Bibliothek des Fachgebiets Geschichte (ca. 6.000 Bände, 80 Handschriften), harrt noch immer der sachkundigen Erfassung und Erschließung durch EDV. Ein Drittel der Bestände ist noch nicht einmal gesichtet. Die wissenschaftliche Erschließung der innerhalb der deutschen Museums- und Archivlandschaft einmaligen und wert¬vollen Materialien ist deshalb in hohem Maß eingeschränkt, - auf Jahre hinaus ist das Arbeit für einen Archivar und für einen Konservator im jeweils akademischen Hauptberuf. Die weitere Entwicklung der seit 1991 nur mit 1,5 Stellen ausgestatteten drei Einrichtungen „Fachgebiet Geschichte, Museum und Archiv“ wird entscheidend von der künftigen personellen und finanziellen Ausstattung abhängen. Sie muss - dem nahenden Ausscheiden des Amtsinhabers geschuldet und verpflichtet - neu und zukunftsorientiert überdacht werden, ohne dabei die institutionelle Selbständigkeit zu gefährden, die für unabhängige historische Forschung und Lehre unerlässlich ist.