Tierärztliche Hochschule Hannover

Veterinärmedizinhistorisches Museum

Das Veterinärmedizinhistorische Museum der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde 1973 von Ernst-Heinrich Lochmann gegründet und ist das einzige, der Öffentlichkeit zugängliche Fachmuseum dieser Art in Deutschland. In einer permanenten Ausstellung bieten mehr als 650 Exponate Einblick in die Geschichte der Hochschule und die Entwicklung der Tiermedizin und tierärztlichen Tätigkeit. Im Jahr 1995 wurde das Museum um eine militärgeschichtliche Abteilung mit rund 300 Exponaten erweitert (sog. Heeresveterinärmuseum). Der Gesamtbestand des Museums an Instrumenten, Geräten, Dokumenten, Schriften und Bildern aus allen Bereichen tierärztlicher Tätigkeit beträgt derzeit rund 6000 Objekte, die auf einer Fläche von rund 230 m2 untergebracht sind. Die Mehrzahl davon lagert in Magazinen. Wie das Hochschularchiv obliegt auch die Verwaltung des Museums dem Leiter des Fachgebiets Geschichte der Veterinärmedizin.

Wie in jedem anderen fachgeschichtlichen Museum wird auch in Hannover versucht, die grundlegenden Aufgaben musealer Arbeit zu erfüllen, nämlich Sammeln, Bewahren, Ausstellen, Erforschen und – für den Museumsleiter besonders wichtig -Unterrichten. Dazu werden nicht nur allgemeine und themenspezifische Führungen für Besuchergruppen und Schulklassen angeboten, sondern es wird für Studierende der Tiermedizin auch eine offizielle Lehrveranstaltung durchgeführt, eine sogenannte Wahlpflichtveranstaltung, deren regelmäßige Teilnahme bescheinigt wird. Im Rahmen dieser „Führungen durch das Veterinärmedizinhistorische Museum“ wird eine Gruppe von maximal 20 Studierenden in 4 x 2 Stunden mit den grundlegenden Tätigkeiten und Problemen musealer Arbeit vertraut gemacht. In den vergangenen Jahren hat sich das folgende Konzept herauskristallisiert, das aber keinesfalls starr festgelegt ist, sondern gruppenspezifisch variiert werden kann:

In Block 1 lernen die Studierenden den Gesamtbestand des Museums und seine Schwerpunkte kennen. Dabei werden sie auch mit den Grundlagen der Humoraltheorie (vs. Solidarpathologie) vertraut gemacht, damit sie tierärztliches Handeln bis Ende des 19. Jahrhunderts überhaupt verstehen können (Phlebotomie, Fontanellenlegen, Kauterisation). Bei der Erkundung des Museumsmagazins halten die meisten Studierenden eine mehrere Kilo schwere Zahnzange für Pferde oder eine 1,5 m lange Meter lange Fremdkörperschlinge für Rinder zum ersten und vielleicht auch letzten Mal in ihrem Leben in Händen.

In Block 2 steht die Bestimmung, Dokumentation und Magazinierung von Neuzugängen im Mittelpunkt, es ist also aktive Mithilfe gefragt. Die Objekte stammen fast ausschließlich aus Schenkungen und privaten Nachlässen. Es muß in alten Instrumenten- oder Arzneikatalogen gewälzt, mit Metermaß und Schiebelehre vermessen oder mit der Apothekerwaage gewogen werden, bis ein altes Instrument oder eine nur mehr mit einem verwaschenem Etikett versehene Arznei eindeutig bestimmt ist und dann lege artis dokumentiert und inventarisiert werden kann.

In Block 3 führt die Bestimmungsarbeit von Block 2 fort und ist der ergänzenden Recherche in der Bibliothek des Fachgebiets Geschichte (ca. 4200 Bände) und im Hochschularchiv (600 Regalmeter) gewidmet. Ein in der Woche zuvor bestimmtes „Fingermesser nach Günther“ oder ein „Krey-Schöttler-Haken“ wirft unweigerlich Fragen zur Objekt-, Personen- und Berufsgeschichte auf. Erst diese „literarische Nachlese“ erfüllt das alte Objekt, mit dessen Bestimmung man sich beschäftigt hat, mit Leben.

In Block 4 wird ein einzelnes Objekt des Museums näher vorgestellt und hinterfragt: Dies kann z. B. die Gründungsurkunde der Hochschule von 1778 sein, die erst gemeinsam gelesen, dabei sprachlich und inhaltlich erklärt und anschließend im zeitgeschichtlichen Kontext interpretiert wird, oder aber auch ein alter Film aus dem Museumsbestand wie Erwin Beckers Klassiker „Einmal im Jahr ... - Neuzeitliche Zahnbehandlung beim Pferd“ aus dem Jahr 1944 mit den ersten Trickfilmsequenzen in der Tiermedizin. Neben der obligatorischen Einführungsvorlesung „Geschichte der Veterinärmedizin“ (1. Sem.) und dem „Veterinärmedizinhistorischen Seminar“ (5.-9. Sem.), in dem die Technik des literarisch-wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt und in praxi angewandt wird, kann den Studierenden mit diesen „Führungen durch das Veterinärmedizinhistorische Museum“ nicht nur „spielerisch“ fachhistorisches Wissen vermittelt werden, sondern die Mitwirkenden haben beim Unterricht an diesem „Hort des Bewahrens und Bestaunens“ auch einen Mords Spaß.

Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 10-16 Uhr
Führungen für Gruppen nach Vereinbarung
 
Eintritt frei
 

Leiter: Univ.-Prof. Dr. Dr. habil. Johann Schäffer

Tierärztliche Hochschule Hannover
Bischofsholer Damm 15 (Haus 120)
30173 Hannover
Tel.: +49-511-8 56 75 03
Fax: +49-511-8 56 76 76